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Für den Bau des in den vorherigen Kapiteln beschriebenen Fahrzeugs sind neben Kenntnissen in der Holzbearbeitung ein Werkraum mit den dazugehörigen Werkzeugen und Maschinen nötig. Da Grundschulen nur in Ausnahmefällen darüber verfügen können, sollen hier Fahrzeuge in den Blick genommen, die mit deutlich einfacheren Mitteln und ohne besondere Fachkenntnisse hergestellt werden können. Die Entwicklung eines solchen Mobils soll dabei vom einfachen Fahrgestell zum programmierbaren Fahrzeug führen.

Zur Herstellung eines solchen Gefährts genügen Heißkleber und Seitenschneider. Benötigte Konstruktionsmaterialien wie Trinkhalme, Schaschlikspieße, Holzspatel, Räder und Riemenscheiben können für wenig Geld im Internet bzw. Supermarkt erstanden werden (Bezugsquellen am Ende des Kapitels).

Zur Konstruktion des Fahrzeugs werden zwei Spatel der Länge nach zusammen- und zwei gleichlange Abschnitte eines Trinkhalms quer dazu geklebt. Danach werden in die Bohrungen der Räder Schaschlikspieße gesteckt, diese durch die Trinkhalme geführt und so eingekürzt, dass das gegenüberliegende Rad Halt findet, ohne die freie Drehbarkeit zu behindern. Wenn nötig, die Räder zusätzlich mit etwas Heißkleber sichern.

Die Funktionstüchtigkeit eines solchen Fahrzeugs kann im Rahmen eines kurzen Wettbewerbs erprobt werden: Über ein schräggestelltes Brett erfahren die Wettbewerbsfahrzeuge eine vergleichbare Beschleunigung, sodass über die zurückgelegte Strecke beim Ausrollen auf ebenem Terrain die Laufeigenschaften beurteilt werden können. Neben der zurückgelegten Strecke kann auch der Geradeauslauf in die Bewertung einbezogen werden. 

In einem nächsten Schritt wird das Fahrzeug mit einem Elektromotor ausgestattet, dessen Drehbewegung über ein Gummiband und ein Schnurlaufrad auf eine der beiden Achsen übertragen wird. Der für den Betrieb des Motors nötige Strom kommt aus einem 9V Block. Mit wenig Heißkleber werden er und der Elektromotor fixiert. Ein schmaler Streifen Klebeband auf der Motorenachse verhindert das Abrutschen. 

Damit das Fahrzeug kontrolliert werden kann, wird das Ein- und Ausschalten über ein Verlängerungskabel realisiert, an dessen Ende ein Taster (Schließer) angeschlossen ist. Ein Druck auf den Knopf startet den Motor. Wird der Knopf losgelassen, stoppt er.

Da das Gefährt nur geradeaus fahren kann, stellt sich die Frage, wie ein solches Gefährt mit einfachen Mitteln gesteuert werden kann. Einfach meint hier den Verzicht auf eine separate Lenkung, bei der die Räder nach links oder rechts eingeschlagen werden. 

Der Weg dahin führt über die Verwendung von zwei Getriebemotoren, die samt Räder an einem Ende 

eines 9 x 14 cm großen Sperrholzbrettchens befestigt werden. Das andere Ende wird mit der Hälfte eines Tischtennisballs so abgestützt, dass das Gefährt in eine waagerechte Position kommt. Es spricht aber auch nichts gegen die Verwendung eines Bausatzes, der hier für moderates Geld erstanden werden kann.  

Die Lenkung funktioniert über das Ein- und Ausschalten der Motoren: Für den Geradeauslauf müssen beide Motoren, für die Kurvenfahrt ein Motor laufen, der linke für eine Rechts-, der rechte für eine Linkskurve.

Für die Fernsteuerung wird ein dreipoliges Verlängerungskabel benötigt. Die Batterie ist auf dem Fahrzeug befestigt. Ein Pol ist mit jeweils einem Pin beider Motoren verbunden. Der andere Pol wird zur Steuerkonsole mit zwei Tastern (Schließer) geführt und dort so verschaltet, dass über die eine Taste der Stromkreis zu dem einen und über die andere Taste der zu dem anderen Motor geschlossen werden kann. Bei geschlossenem Stromkreis (gedrückter Taste) läuft der Motor an. Ist er unterbrochen (Taste nicht gedrückt) steht der Motor still. Für eine Geradeausfahrt müssen beide Tasten gedrückt werden, wird eine losgelassen, dreht das Fahrzeug entweder nach links oder rechts. 

Um das Fahrzeug auch rückwärts fahren zu lassen, muss die Polung der Motoren umkehrbar sein. Das kann mit zweipoligen Wippenschaltern realisiert werden.

Die Batterie befindet sich zusammen mit den Schaltern im Steuermodul. In der Stellung I und II bekommen die Motoren Strom und drehen sich. In Mittelstellung (Stellung 0) ist der Stromfluss unterbrochen und die Motoren kommen zum Stillstand. Da die gegenüberliegenden Kontakte der Wippe kreuzweise mieinander verbunden sind, werden beim Umschalten von Stellung I in Stellung II die Pole vertauscht. Die Motoren drehen sich dann in die jeweils entgegengesetzte Richtung.

 

Für den letzten Schritt, die Automatisierung der Lenkung, kommt ein Calliope mini zum Einsatz. In Anlehnung an das Pinout unten werden die Kontakte vom ersten Motor mit GND und Anschluss A (Motor A), die vom zweiten Motor mit GND und Anschluss B (Motor B) verbunden.

Der 9V Block wird mit dem Pluspol an Vin und mit dem Minuspol an GND verbunden.
(Vorsicht! Der Calliope ist nicht verpolungssicher. Ein Verwechseln der Pole kann zu seiner Zerstörung führen.)
Die 3V Batterie hat einen verpolungssicheren Stecker, der in die dazugehörige Buchse auf dem Calliope gestöpselt wird. 

Sind Batterien und Motoren richtig angeschlossen, wird der Editor (hier das Open Roberta Lab) gestartet und nach entsprechenden Programmierbefehlen gesucht. Fündig wird man, wenn unter "PROGRAMM NEPOprog" der zweite Reiter angewählt  ist (siehe links). Nur dann öffnet sich bei einem Klick auf „Aktion“ ein Untermenü, in dem "Bewegen" an- und der Block "Motor Port A an Tempo % 30" ausgewählt werden muss. Er erscheint dann auf der Programmieroberfläche und wird schließlich über die Kerbe mit dem  Block "Start" verbunden. Ist das geschehen, kann mit einem Klick auf das kleine Dreieck neben dem Buchstaben A ein Auswahlmenü geöffnet werden (siehe hier).

Die Motoren können auf diese Weise einzelnen oder zusammen angesprochen werden, ganz ähnlich wie das mit den beiden Tasten der Kabel-Fernsteuerung möglich ist. Im Unterschied dazu können hier Zahlenwerte eingegeben werden, die Einfluss auf die Drehgeschwindigkeit der Motoren haben. Je kleiner die Zahl, desto langsamer der Motor. 0 bedeutet Stillstand.

Um die Laufdauer der Motoren festzulegen, muss unter „Kontrolle“ der entsprechende Steuerblock gefunden und an den bestehenden Programmabschnitt angegliedert werden (siehe links). Die Zahl im blauen Feld kann verändert werden. 500 entspricht einer halben, 1000 einer Sekunde.

Und so oder so ähnlich könnte ein Fahrzeug aussehen, das programmier- und fahrbereit ist. Der

Fahrweg wird von der Programmierung bestimmt. Hier ein einfaches Beispiel: 

Anregungen, wie es mit der Optimierung solcher Fahrzeuge weitergehen kann, finden sich in den Folgekapiteln.



Holzspatel und Riemenscheiben aus Holz (Schnurlaufräder) gibt es günstig bei Opitec.

DC-Motoren, zweipolige Wippenschalter und Drucktaster für die Fernsteuerung gibt es günstig bei Pollin.

Getriebemotoren, die relativ langsam laufen und sich damit zur Verwendung mit der Kabelfernsteuerung eignen, gibt es im Eckstein-Shop. Zur Verwendung zusammen mit dem Calliope mini eigen sich auch größere Motoren oder ein kompletter Bausatz, die im Roboter Bausatz-Shop gekauft werden können.

Zwillingslitze und vieradriges Telefonkabel gibt es als Meterware günstig bei der Firma Völkner.

Hochwertiges Gewebe-Klebeband , das sehr gut klebt und leicht in Stücke und schmale Streifen gerissen werden kann, gibt es im Klebeshop24.

Batteriehalter für 2 AAA-Mignonzellen, Steckleisten, die leicht durch Abbrechen auf die benötigte Längen gekürzt werden können, und dazu passende Kabelbrücken gibt es  bei Exp-Tech.

9V Batterieblöcke gibt es günstig bei Aldi und Lidl.